Money #001 – Ist Geldanlage wichtig?

Einleitung

Dieser Beitrag richtet sich an Personen, die bis jetzt noch nicht viel Erfahrung mit Finanzanlagen hatten. 
Mir ist es ein großes Anliegen möglichst viele Leute für dieses wichtige Thema zu sensibilisieren.
In kommenden Beiträgen werde ich die einzelnen Themen detaillierter analysieren.
Zu erst ist es allerdings wichtig sich einen groben Überblick zu verschaffen und die Sinnhaftigkeit von vernünftiger Veranlagung zu erkennen.

Wie wichtig ist die richtige Geldanlage?

Gerade in Zeiten der Nullzinspolitik wird der durchschnittliche Bürger, der sich nicht ausreichend informiert, langsam aber sicher enteignet. Egal ob das Geldvermögen erarbeitet, geerbt oder gewonnen wurde, es ist von Inflation betroffen. Inflation bedeutet Geldwertverlust bzw. Kaufkraftverlust.

In einfachen Worten gesprochen: Geld verliert über Zeit an Wert.

Falls man sich darunter nichts vorstellen kann, braucht man nur an seine Kindheit denken. Wieviel kostete damals ein Eis und wieviel kostet es heute? Dieser Unterschied ist auf die Inflation zurück zu führen

Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt eine durchschnittliche Inflation von 2% pro Jahr an, was auch in etwa dem momentanen Kaufkraftverlust entspricht.

Wenn wir also wissen, dass das Geld jedes Jahr 2% weniger wert wird und wir gleichzeitig auf einem Sparbuch 0,01% Zinsen bekommen, bedeutet das, dass wir einen Verlust von 1,99% pro Jahr erleiden. Von den 0,01% Zinsen müssen natürlich auch noch 25% KESt (Kapitalertragssteuer) an den Staat abgeführt werden. Wem die mathematischen Grundrechenarten ein Begriff sind, wird schnell bemerken, dass Handlungsbedarf besteht.

Ein konkretes Beispiel:
Auf einem Sparbuch liegen 100.000 Euro mit einem Zinssatz von 0,01%, also praktisch null. Wenn das Geld auf diesem Sparbuch liegen bleiben würde, wäre der Kontostand nach 5 Jahren gerundet immer noch 100.000 Euro. Leider haben die 100.000 Euro etwa 10% (gerundet) an Wert verloren. Die Kaufkraft ist also auf 90.000 Euro gesunken.

Das Ziel sollte also sein, eine Sparform zu wählen, die mindestens 2% Zinsen abzgl Spesen und Steuern erwirtschaftet, damit der Wert erhalten bleibt.

Die Frage, die sich nun stellt ist, welche Sparform kann in einem Nullzinsumfeld so eine „hohe“ Rendite erwirtschaften?

Im folgenden werden die gängigsten Sparformen näher betrachtet:

Sparbuch - Sparkarte - Tagesgeldkonto

Sicherheit
Hoch
Verfügbarkeit
Hoch
Ertrag
Niedrig
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Prinzipiell ist es empfehlenswert einen Teil seines Geldvermögens täglich fällig zur Verfügung zu haben. Es ist wichtig eine Absicherung für unerwartete Ausgaben (zB neuer Kühlschrank oder Waschmaschine müssen angeschafft werden) aber auch um eine etwaige Arbeitslosigkeit zu überbrücken. In diesem Fall ist der Geldwertverlust zweitrangig.

Wieviel genau lässt sich pauschal nicht beantworten. Dies hängt stark vom Lebensstil und Lebensstandard ab. Eine Richtgröße könnten etwa 3-6 Monatsgehälter sein.

Die Zinsen bei diesen „Sparformen“ bewegen sich zwischen 0,01% und max 1% (momentan nur bei Sonderaktionen).

Da die Zinssätze unter 2% liegen und die Inflation somit ausgleiche können, kommen diese Formen nicht in Frage.

Bausparvertrag

Sicherheit
Hoch
Verfügbarkeit
Mittel
Ertrag
Mittel
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Bausparverträge sind neben dem Sparbuch die häufigste Sparform. Trotz gesenkter Zinsen genießen sie nach wie vor einen sehr guten Ruf.

Tatsächlich ist diese Sparform etwas attraktiver als das klassische Sparbuch. Das liegt hauptsächlich am zusätzlichen Ertrag durch die staatliche Prämie von 1,5% auf eine maximale Einzahlung von 1.200 Euro pro Jahr. Bei voller Besparung handelt es sich um 18 Euro pro Jahr. Leider wird davon wieder ein großer Teil von den Kontoführungsgebühren „aufgefressen“. Übrig bleibt ein magerer Zinssatz von etwa 0,2%.

Die Laufzeit mit 6 Jahren ist nicht allzu lange aber auch nicht jederzeit verfügbar.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich ein Bausparvertrag besser eignet als das Sparbuch aber auch ungeeignet ist den Wertverlust auszugleichen.

Klassische Lebensversicherung

Sicherheit
Hoch
Verfügbarkeit
Niedrig
Ertrag
Niedrig
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Von dieser angeblichen „Sparform“ rate ich prinzipiell ab. Momentan können klassische Erlebensversicherungen nur mit einem garantierten Zinssatz von 0% abgeschlossen werden. Der Ertrag setzt sich prinzipiell aus zwei Komponenten zusammen: dem Garantiezinssatz und der Gewinnbeteiligung.

Die Versicherungsgesellschaft darf das eingezahlte Kapital nur in bestimmte (sehr sichere) Anlagen investieren. Diese Sicherheit hat leider die Schattenseite, dass damit kein oder kaum Ertrag erwirtschaftet werden kann.

Die hohen Kosten können den schwachen Ertrag sogar übersteigen. Als Inflationsschutz also sehr ungeeignet.

Ein weiterer Nachteil  sind die sehr lange Laufzeiten (gesetzliche Mindestlaufzeit 15 Jahre). Bei einer vorzeitigen Kündigung wird vom eingezahlten Kapital noch ein nicht unerheblicher Teil abgezogen.

Ich spreche hier übrigens nur von klassischen Erlebensversicherungen. Ablebensversicherungen können durchaus sinnvoll sein, zB um die eigene Familie im Ablebensfall abzusichern.

Wertpapiere

Sicherheit
Niedrig bis Hoch
Verfügbarkeit
Hoch
Ertragschance
Hoch
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Wertpapier ist ein sehr breiter Begriff. Alle verschiedenen Varianten zu erläutern würde den Rahmen sprengen. Deswegen werde ich mich auf Anleihen und Aktien beschränken.

Aktien

Was sind Aktien?

Bei Aktien handelt es sich um Unternehmensanteile.
Beispiel: Beim Kauf einer CocaCola Aktie, wird man automatisch Miteigentümer des Unternehmens. Aktien sind Sachwerte!

Warum gibt es Aktien?

Wenn Unternehmen wachsen und expandieren wollen, wird meistens zusätzliches Kapital benötigt. Die Möglichkeiten möglicher Finanzierungen sind vielfältig. In diesem konkreten Fall wird ein Teil des Unternehmens an der Börse angeboten. Dies passiert in Form von Aktien (Anteilsscheine an einem Unternehmen). Wenn also Aktien bei der Emission (Erstausgabe) gezeichnet (gekauft) werden, fließt das Geld als Eigenkapital in das Unternehmen. Das Unternehmen bekommt also das Geld, kann damit arbeiten und im Gegenzug bekommt der Aktionär Anteile am Unternehmen.

Beispiel: Ein Unternehmen produziert ein bestimmtes Produkt. Durch viele Aufträge ist die Produktion maximal ausgelastet. Eine weitere Produktionshalle kann Abhilfe schaffen. Die derzeitigen finanziellen Mittel verhindern allerdings den Ausbau. Das Unternehmen holt sich das nötige Kapital an der Börse, indem Aktien ausgegeben werden.

Welche Vorteile haben Aktionäre?

Als Aktionär hat man bestimme Rechte. Unter anderem das Recht auf Dividenden Zahlung. Einmal jährlich in der Hauptversammlung wird beschlossen ob und wieviel vom Gewinn an die Aktionäre ausgeschüttet wird. Je nach Anzahl der Aktien wird also ein Teil des Gewinnes ausbezahlt (Voraussetzung: In der Hauptversammlung wurde eine Ausschüttung beschlossen).

Durch die Expansion des Unternehmens oder höheren Gewinnen steigt auch im Normalfall der Unternehmenswert. Das bedeutet, dass die bestehenden Aktien mehr wert werden und  somit an der Börse zu einem höheren Kurs verkaufen werden können. Auf Dividenden und Kursgewinne sind allerdings noch 27,5% KESt (Kapitalertragssteuer) an den Staat abzuführen.

Welche Nachteile haben Aktien?

Einzelne Aktienkurse lassen sich nur sehr schwer bis garnicht vorhersagen. Es gibt viele „Experten“, die diverse Algorithmen bzw. Vorhersagekonzepte entwickelt haben. Leider kann ich aus eigener Erfahrung berichten, dass diese Prognosen genauso oft eintreten wie sie nicht eintreten.

Als relativ aktuelles Beispiel lässt sich Volkswagen nennen. Vor kurzem bescherte der Dieselskandal dem Unternehmen einen Verfall des Aktienkurses um mehr als 50% Prozent.  Niemand war in der Lage diesen Skandal vorherzusehen.
Im Falle einer Insolvenz ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, sein gesamtes Kapital zu verlieren.

Aktien haben leider im deutschsprachigen Raum einen eher schlechten Ruf. Zu Unrecht wie ich finde. In einem späteren Abschnitt werde ich noch genauer darauf eingehen.

Anleihen

Was sind Anleihen?

Mithilfe von Anleihen ist es möglich Staaten oder Unternehmen Geld  zu leihen.

Beispiel: CocaCola begibt eine Anleihe mit folgenden Parametern:

100.000 Euro, Laufzeit 10 Jahre, Kupon 2%, Tilgung 100%

In Worten: CocaCola bekommt von Ihnen 100.000 Euro und zahlt es vollständig (Tilgung 100%) am Ende der 10 Jahre (Laufzeit) wieder zurück. In der Zwischenzeit bekommen Sie 2% Kupon (Zinsen) pro Jahr.

Anleihen können aber auch während der Laufzeit an der Börse gehandelt werden. Jede Anleihe hat dort einen gewissen Kurs (Preis), der sich am aktuellen Zinsniveau orientiert. Wenn der Marktzins (Zinssatz, der alternativ zB mit einem Sparbuch erzielt werden kann) momentan bei 1% liegen würde, die Anleihe allerdings einen Kupon von 2% hätte, wäre der Kurs höher als bei einem Kupon von 1%. 

Steigen also die Marktzinsen, sinkt der Kurs der Anleihe. Umgekehrt wenn die Marktzinsen sinken, steigen Kurse der Anleihen.

Wie hoch der Kupon (Zinsen) ist, richtet sich nach dem Risiko: Wenn ein Unternehmen eine Anleihe mit 5% begibt, der Marktzins aber bei 1% liegen würde, kann man davon ausgehen, dass es sich um ein sehr riskantes Geschäft handelt.

Das Geld, mit dem die Anleihe gekauft wird, ist dem Fremdkapital des Unternehmens zugeordnet. Im Falle einer Insolvenz ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, sein gesamtes Kapital zu verlieren.

Umgekehrt gibt es auch sehr sichere Anleihen, die aber auch wenig Ertrag generieren. Ein Beispiel wäre etwa eine deutsche Staatsanleihe, da Deutschland über die bestmögliche Bonität (Zahlungszuverlässigkeit) verfügt.

Fonds

Was sind Fonds?

Fonds gibt es in unzähligen Variationen. Prinzipiell handelt es sich dabei um eine Bündelung von mehreren Wertpapieren. In einem reinen Aktienfonds sind beispielsweise 1.000  Unternehmen enthalten. Beim Kauf von Fondsanteilen wird automatisch in 1.000 verschiedene Unternehmen investiert. Dadurch wird das eingesetzte Kapital besser diversifiziert (gestreut). Der Vorteil liegt dabei auf der Hand: Durch Diversifikation kann das Risiko verteilt und dadurch gesenkt werden. Wenn eines dieser 1.000 Unternehmen Insolvenz (Zahlungsunfähigkeit) anmelden würde, wäre es zwar nicht toll, würde aber keinesfalls zum Totalverlust führen.

Die Auswahl der verschiedenen Wertpapiere in einem Fonds obliegt dem sogenannten Fondsmanager. Die meisten Fonds haben genaue Vorgaben in welchem Bereich Wertpapiere gehandelt werden dürfen.

Beispiel: Ein Fonds investiert ausschließlich in osteuropäische Unternehmen. Der Fondsmanager ist also nicht autorisiert nordamerikanische Aktien zu kaufen.

Welche Nachteile haben Fonds?

Im Vergleich zu Einzelaktien sind höhere Kosten zu bezahlen. Beim Erwerb werden Kaufgebühren (Ausgabeaufschlag) verrechnet. Diese bewegen sich im Normalfall zwischen 2%-5% des Kaufbetrags. Weiters werden pro Jahr Verwaltungsgebühren je nach Fonds etwa 0,5%-3% verrechnet. Diese Kosten treffen auf aktiv gemanagte Fonds zu. Dabei handelt es sich um Fonds, die von einer Fondsgesellschaft ausgegeben wird und von einem Fondsmanager verwaltet wird.

Eine „Sonderform“ stellen sogenannte ETFs (Exchange Traded Funds – Börsengehandelte Fonds) dar.

Was sind ETFs?

Diese werden passiv verwaltet und stellen eine sehr kostengünstige Alternative zu aktiv gemanageten Fonds dar. ETFs bilden oft einfach nur einen bestimmten Index nach. In einem Aktienindex sind häufig die größten Werte einer Region enthalten. Der DAX (Deutscher Aktienindex) enthält zum Beispiel die 30 größten Aktiengesellschaften in Deutschland. Ein Index muss allerdings nicht auf ein Land beschränkt sein, sondern kann etwa alle Industrienationen der Welt abbilden. Das klassische Beispiel wäre in diesem Fall der MSCI World Index.
ETFs bilden also automatisch (computergestützt) einen Index nach, brauchen keinen Fondsmanager und sind somit mit jährlichen Kosten zwischen 0,15%-1% sehr günstig.

Zurück zum ursprünglichen Thema:

Aktien haben seit 150 Jahren durchschnittlich pro Jahr 7-8% Rendite erwirtschaftet. Inklusive beider Weltkriege und unzähliger Krisen, unter anderem einer der schwersten Finanzkrisen aller Zeiten im Jahr 2008.

Aktien liegen also deutlich über Inflation von 2% pro Jahr. Das bedeutet, dass sich mit Aktien nicht nur der Wert erhalten, sondern sogar steigern lässt. Ganz wichtig dabei ist, dass es sich um die DURCHSCHNITTLICHE Wertentwicklung handelt. Es gibt auch Jahre, in denen die Kurse stark einbrechen können (zB MSCI World im Jahre 2000 oder 2008 jeweils -50%). Tatsächlich erholten sich die Kurse binnen 2 Jahren wieder auf das vorherige Niveau. Bei einer langfristigen Strategie fallen Krisen also kaum ins Gewicht. Ganz im Gegenteil: Bei kontinuierlicher Investition kann so eine Zeit genutzt werden um billig nachzukaufen.

Es lässt sich natürlich nie von der Vergangenheit auf die Zukunft schließen aber sie kann zumindest als Anhaltspunkt dienen. Bis jetzt war es immer so, dass die Kurse langfristig nur eine Richtung gekannt haben, und zwar nach oben.

 

Wie könnte eine mögliche Strategie aussehen?

Eine sehr gängige Variante ist die folgende Aufteilung in zwei ETFs:

70% MSCI World (alle Industrienationen – etwa 1.600 Unternehmen)
30% MSCI World Emerging Markets (alle Schwellenländer)

Mit dieser Aufteilung erfolgt eine Investition in die Weltwirtschaft und nicht in einzelne Branchen, Länder oder Unternehmen. Die Vergangenheit hat uns gezeigt, dass die Weltwirtschaft permanent wächst, auch wenn es in einzelnen Teilen der Welt nicht der Fall war.

Ein weiterer großer Vorteil ist, dass kaum Zeit und Wissen eingesetzt werden muss. Die Strategie wird einmalig festgelegt und kann prinzipiell auch 30 Jahre beibehalten werden. Market-Timing (Kaufzeitpunkt) und Stock-Picking (Aktienauswahl) entfallen bei diesem Konzept komplett, da einfach am globalen Wirtschaftswachstum partizipiert wird. Gleichzeitig kann der Inflation damit entgegen gewirkt werden.

Historisch gesehen handelt es sich bei Aktien eindeutig um die beste langfristige Anlageform.

Das Aktien im deutschsprachigen Bereich einen schlechten Ruf haben, führe ich auf Unwissenheit zurück. Leider ist man bei finanzieller Bildung auf sich alleine gestellt. Ein so wichtiges Thema kommt in unserem Schulsystem leider viel zu kurz.

Ausblick

Ich hoffe , ich konnte etwas Interesse an dem Thema wecken und einen guten ersten Überblick geben.


Der nächste Beitrag wird ein Shortguide zur Depoteröffnung + ETF Auswahl sein.
Für alle, die ihre Finanzen selber in die Hand nehmen und gleich durchstarten wollen. 🙂

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